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Jahrzehntelang funktionierten Unternehmen mit weitgehend kontinuierlichen Arbeitsweisen, Strukturen oder Hierarchien. Die Babyboomer und auch die folgende Generation X – in den 70er-Jahren geboren – hatten wenig Interesse, an diesen Konstrukten zu rütteln. Sie definierten sich über ihre Arbeit und fokussierten sich auf ihre Karriere, waren bereit hart und viel dafür zu arbeiten. Führungskräfte besaßen für sie eine natürliche Autorität. Das war einmal. Schon die in den 80ern geborene Generation Y wollte mehrheitlich etwas anderes: allen voran eine bessere Work-Life-Balance oder auch flexiblere Arbeitsmodelle. Dieser Generation ist es dann auch gelungen, einen ersten größeren Kulturwandel in der Unternehmenslandschaft anzustoßen – auch wenn am Ende erst eine Pandemie kommen musste, damit sich die Arbeit im Homeoffice als wichtiges Anliegen dieser Generation flächendeckend und nachhaltig durchsetzen konnte. Viele Unternehmer oder Vorstände gewöhnen sich immer noch langsam an diese und andere New-Work-Modelle, da wartet schon der nächste Kulturwandel: angestoßen durch die Generation Z.

Eine Generation so konträr wie ihre Zeit

Die Generation Z stammt aus Geburtsjahren in den Neunzigern bis ins neue Jahrtausend hinein. Sie wuchsen parallel zur frühen Entwicklung der digitalen Welt auf und kennen sich in ihr bestens aus. Die Generation Z hat lange Jahre der Stabilität erlebt, aber anders als frühere Nachkriegsgenerationen kennt sie mit der Coronapandemie auch eine globale Krise mit vielen persönlichen Einschränkungen. Das hat sie geprägt und prägt auch den Weg in die Arbeitswelt, den diese Generation gerade sukzessive vollzieht. Dabei sind sie selbstbewusst und bringen einige Vorstellungen mit, die Unternehmen vor große Herausforderungen stellen, wie Umfragen und Studien zeigen: zum Beispiel der Wunsch nach festen Arbeitszeiten beziehungsweise einem pünktlichen Feierabend. Können es sich Unternehmen leisten, solche Wünsche rundherum abzulehnen? Nein. Denn neben dem vorhandenen Fachkräftemangel verabschieden sich aktuell und in den nächsten Jahren immer mehr Babyboomer in die Rente und der Personalbedarf wächst dadurch sogar noch. So wird es höchste Zeit, den Nachwuchs näher kennenzulernen.

Wie tickt die Generation Z wirklich?

Damit haben sich zuletzt viele Untersuchungen beschäftigt. Sie zeigen teils sehr klare Vorstellungen oder Wünsche, auf der anderen Seite auch einige Widersprüche. Homeoffice oder Remote Work erwarten zwar zwei Drittel der befragten Gen Z als Angebot, aber wahrnehmen wollen sie es nicht unbedingt. Das soziale Miteinander im Büro wird eher vorgezogen. Dafür zeigen sich zwei Gründe: die Befürchtung, dass die Leistung im Homeoffice nur ungenügend wahrgenommen wird, und Bedenken, dass hier zu viel Zeit für den Job aufgebracht werden muss. Das möchte die Generation Z überwiegend nicht. Mehr als zwei Drittel wünschen sich eine leichte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Dafür stellen sich die meisten feste Arbeitszeiten mit der Freiheit vor, diese weitgehend selbstbestimmt aufteilen zu können. Klare Arbeitsstrukturen und -hierarchien werden erwartet, sollen aber ebenso viel Flexibilität beinhalten. Die Generation Z ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Es soll allerdings nicht zu viel Verantwortung sein, weil die wieder eine über das gewünschte Maß hinausgehende Bindung an Job oder Unternehmen aufbauen könnte. Diese Bindung möchte die Generation Z nicht zu eng oder lang werden lassen und sieht deswegen Arbeitsverhältnisse überwiegend als temporär begrenzt an, bevor es beim nächsten Unternehmen mit der persönlichen Entwicklung weitergehen soll.

Eine neue Herausforderung

Unternehmen müssen sich einiges einfallen lassen, um diese Generation von sich zu begeistern. Sie einfach durch ihre aktuelle Unternehmenskultur überzeugen zu wollen, wird nicht funktionieren oder nur zu kurzen Arbeitsverhältnissen führen. Dafür liegen die Vorstellungen auf beiden Seiten oft noch zu weit auseinander. Es braucht hier neue Arbeitszeitangebote genauso wie einen neuen Führungsstil. Die Generation Z möchte weniger Führung, dafür eher Coaching oder Mentoring, dass ihr laufend Feedback geben kann und mehr Wertschätzung vermittelt. Für diese Wertschätzung kann die Generation Z viel zurückgeben. Keine Generation vor ihr bringt so viel digitales Verständnis mit wie diese. Damit können sie auch die Digitalisierung von Geschäftsmodellen und Unternehmen mitentscheidend weiterbringen. Somit lohnt es sich, diese Generation besser verstehen zu wollen und auf sie zuzugehen.

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