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KI macht Mittelmäßigkeit nur sichtbarer.

von | Apr. 13, 2026 | Künstliche Intelligenz

Ich höre es gerade überall. In Pitches, in Beiratssitzungen, in Bewerbungsgesprächen. „Wir setzen jetzt auf KI.“ Als wäre das eine Strategie.

Es ist keine.

KI ist ein Werkzeug. Ein sehr mächtiges, sehr schnelles, sehr günstiges Werkzeug. Aber wer kein klares Geschäftsmodell hat, bekommt durch KI kein klares Geschäftsmodell. Wer nicht weiß, welches Kundenproblem er wirklich löst, weiß es mit ChatGPT immer noch nicht. Wer in einer schlechten Unternehmenskultur steckt, wird mit Automatisierung eine schlechte Unternehmenskultur schneller reproduzieren.

Das ist das Unbequeme an dieser Technologiewelle. Sie gibt nichts dazu. Sie multipliziert nur, was schon da ist.

Gute Gründer werden durch KI zu beängstigend guten Gründern. Sie liefern schneller, denken iterativer, testen mehr Hypothesen gleichzeitig, als es eine vorherige Generation jemals konnte. Ich sehe das bei Teams, die ich begleite. Die Qualitätssprünge sind real.

Aber die anderen? Die nutzen KI, um mehr Content zu produzieren, den niemand lesen will. Um Pitch Decks zu generieren, die nach nichts klingen. Um Prozesse zu automatisieren, die man eigentlich hätte abschaffen sollen.

Digitalisierung hat das schon gezeigt. Wer analogen Unsinn digitalisiert, hat digitalen Unsinn. KI ist nicht anders. Wer unklare Gedanken in ein Sprachmodell gibt, bekommt formschöne unklare Gedanken zurück.

Was mich an der aktuellen Debatte nervt, ist die Passivität. „KI wird Jobs vernichten.“ „KI wird alles verändern.“ Stimmt beides. Aber die eigentliche Frage ist eine aktivere: Was machst du jetzt damit?

Ich bin kein Techno-Optimist und kein Techno-Pessimist. Ich bin Pragmatiker. Und pragmatisch betrachtet ist KI das erste Mal seit langem eine Chance, bei der kleine Teams mit klarer Vision gegenüber großen Organisationen mit unklarer Richtung echten strukturellen Vorteil haben.

Das Fenster ist offen. Aber es bleibt nicht ewig offen.

Wer heute noch debattiert, ob KI „wirklich“ so wichtig ist, hat schon verloren. Nicht wegen der Technologie. Sondern wegen der Denkgeschwindigkeit.

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