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Familienunternehmen: Weiterhin viel Nachholbedarf bei der digitalen Transformation

von | Okt 17, 2022 | #Digitaletransformation, #Digitalisierung, #Digitalisierungleben, #Digitalisierungsstrategie

Das Thema digitale Transformation bleibt trotz jahrelanger, vielfacher Erwähnung präsent. Schon die Coronapandemie hat gezeigt: Unternehmen können durch diesen Wandel resilienter werden oder komplett neue Geschäftsfelder erschließen, um sich abzusichern. Solche Qualitäten und Chancen bedeuten wahrscheinlich auch in der aktuellen Krise mit hohen Beschaffungs- und Energiekosten oder gestörten Lieferketten wieder eine Perspektive, ein Unternehmen zukunftsfähiger zu positionieren. Während Großunternehmen vielfach auf einem guten Weg bei ihrer digitalen Transformation unterwegs sind, sieht die Zwischenbilanz bei KMU und insbesondere bei Familienunternehmen deutlich schlechter aus. Das ergibt Anlass für zusätzliche Sorge, denn diese Unternehmen bilden einen großen Teil des Rückgrats der deutschen Wirtschaft mit vielen Arbeitsplätzen, die durch eine stockende digitale Transformation neben anderen Krisen noch weiter in Gefahr geraten.

Das sind die Hindernisse und Probleme

Jedes Unternehmen ist von einer individuellen Unternehmenskultur und traditionellen Strukturen oder Denk- und Handlungsmustern geprägt. In kleineren Unternehmen lassen sich diese Gebilde vermeintlich viel leichter aufbrechen, weil viel weniger Menschen als in einem Konzern überzeugt werden müssen. Gerade in Familienunternehmen stehen diesem Aufbruch aber eher höhere Hürden im Weg:

• Familienunternehmen sehen Märkte überwiegend als reinen Wettbewerb. Der Gedanke an strategische Allianzen oder Kooperationen ist ihnen eher fremd. Dabei besteht hier im Rahmen der digitalen Transformationen viel Potenzial: Zum Beispiel könnte das spezialisierte Familienunternehmen einem Digitalanbieter individuelle Spitzenprodukte zuliefern, die dieser global vertreibt. Das ist eine einmalige Chance für das kleine Unternehmen, aber oft fürchtet die Unternehmensleitung, in diesem Szenario unterzugehen.

• Familiengeführte Unternehmen pflegen außerdem tiefe regionale Wurzeln und Beziehungen. Das sorgte lange Jahre vor Ort für ein gewisses Renommee sowie eine hohe Attraktivität als Arbeitgeber. Beides bröckelt mittlerweile stark. Kundinnen oder Kunden suchen über das Internet gezielt nach anderen günstigeren Anbietern über den Ort hinaus und die besten Jobkandidaten verlangen längst nach mehr Perspektiven, als sie ein klassisches Familienunternehmen bieten kann. Ohne das Potenzial digitaler Geschäftsmodelle, ohne moderne agile Arbeitsstrukturen und Hierarchien verliert ein konventionell aufgestelltes Unternehmen jetzt überall an Attraktivität.

• Zu dieser Attraktivität gehört außerdem die Kontinuität des Unternehmens. Hier stehen Familienunternehmen reihenweise vor einem großen Problem, weil hinter der Führungs- oder Inhabernachfolge große Fragezeichen stehen. Viele Unternehmer würden ihren Betrieb auch außerhalb der Familie übergeben, aber um Nachfolgerinnen oder Nachfolger zu begeistern, müssen für die auch die Perspektiven stimmen. Ohne Ansätze einer digitalen Transformation fehlen diese Möglichkeiten.

Lösungen für diese Probleme und die digitale Transformation von Familienunternehmen

#1 Familienunternehmen müssen Ihre Philosophie und Werte anpassen

Familiengeführte Unternehmen prägt oft ein traditioneller, auf die Familie und das Unternehmen zentrierter Wertekanon. Dieser muss sich öffnen und an den Rahmen des digitalen Zeitalters anpassen. Tradition und Moderne lassen sich dabei durchaus verbinden. Die Digitalisierung macht traditionelle Familienunternehmen nicht automatisch obsolet. Vielmehr kann die digitale Welt von den Qualitäten und Werten solcher Unternehmen profitieren. Die Unternehmen müssen nur das Bewusstsein und den Mut entwickeln, den Schritt in diese Welt zu vollziehen und sich dabei auch intern zu verändern.

#2 Technologien adaptieren

Die Einführung oder Nutzung digitaler Technologien bedeutet vielfach einen hohen Kostenfaktor. Kosten stehen hier jedoch für eine wichtige Investition in die Unternehmenszukunft. Diese Investition lässt sich nicht immer allein bewältigen. Kooperationen können an dieser Stelle helfen. Eine Einzelkämpfermentalität, wie sie Familienunternehmen meist mitbringen, hemmt die Weiterentwicklung. Hier müssen sich die familiengeführten Unternehmen öffnen und die Chancen von Kooperationen begreifen und wahrnehmen.

#3 Kompetenzen gewinnen

Beratung, Practice, Schulung oder das Ausprobieren mit eigenen Start-ups: Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie sich traditionelle Familienunternehmen neue Kompetenzen für die digitale Transformation erschließen und direkt umsetzen können. Wichtig ist nur, dass die Unternehmen überhaupt an diesem Kompetenzgewinn arbeiten, um ihre digitale Transformation besser gestalten zu können.

Diese drei Schritte und weitere sind notwendig, damit Familienunternehmen über eine digitale Transformation ihre Zukunft festigen können. Der Wandel mit all seinen Aufgaben und Investitionen darf auch vor dem Hintergrund aktuell drängender Probleme nicht vergessen werden. Nur in diesem Wandel liegt langfristig die Chance, Krisen oder andere Herausforderungen zu meistern und die Unternehmenszukunft zu sichern.

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