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Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind längst mehr als große Trends. Beide bedeuten heute eher eine Selbstverständlichkeit und vor allem eine Notwendigkeit, um in der Zukunft bestehen oder die großen Probleme dieser Zeit lösen zu können. Doch da liegt noch eine Schwierigkeit im Weg: Die beiden passen offenbar gar nicht zusammen. Gibt es damit nur ein Entweder-oder? Oder vielleicht doch eine gemeinsame Lösung für Digitalisierung mit Nachhaltigkeit?

Alles Digitale verbraucht Energie, benötigt wertvolle Ressourcen und hinterlässt oft früher als später einen Haufen Elektroschrott beziehungsweise den sogenannten E-Waste. So kollidiert die Digitalisierung gleich mit drei wesentlichen Zielen für mehr Nachhaltigkeit: Energie sparen, Ressourcen schonen und Müll vermeiden. Allein der enorme Energieverbrauch des Internets und seiner Strukturen stellt für sich genommen ein großes Problem dar. Im Jahr 2017 konsumierten nur die deutschen Rechenzentren und Server dabei schon so viel Strom wie die ganze Hauptstadt Berlin – Tendenz hierzulande und weltweit steigend.

Bei der Erzeugung des notwendigen Stroms entsteht ein enormer CO2-Ausstoß. Schätzungen sehen das Internet hier längst auf einem ähnlich klimaschädlichen Niveau wie den weltweiten Flugverkehr. Letztlich ist dafür jeder einzelne mitverantwortlich. E-Mails, Google, Streaming oder Surfen: Jeder einzelne Mausklick hinterlässt einen CO2-Abdruck. Der potenziert sich durch die Hardware, ihren Ressourcenbedarf und den wachsenden Stromverbrauch der Internetnutzer immer weiter. Längst machen deswegen Forderungen nach digitaler Enthaltsamkeit oder sogar weitgehendem Verzicht auf die Internetnutzung die Runde. Doch die Reaktion muss keinesfalls so radikal ausfallen und kann trotzdem schon viel verändern.

Alle großen Internetkonzerne wissen um ihre Rolle in dem Szenario und auch um ihre Verantwortung für die Probleme sowie eine Lösung. Mit Green IT und Strom aus erneuerbaren Energien steuern sie schon seit einiger Zeit – nicht ganz uneigennützig – gegen. Einzelne Anbieter von Internetdiensten gingen gleich mit einem nachhaltigen Digitalbusiness an den Start. Die Suchmaschine Ecosia aus Berlin ist dafür ein Beispiel. Ihre Server speisen sich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien und mit seinen Gewinnen finanziert das Unternehmen das Anpflanzen von Bäumen in den bedürftigsten Regionen der südlichen Hemisphäre, die am Ende auch dort dazu beitragen, das globale Klima zu entlasten – Anfang 2020 waren es bereits über 80 Millionen.

Es liegt nun an jedem selbst, vor allem solche Unternehmen und Services zu nutzen, die digitale Lösungen nachhaltiger machen. Das erfordert einerseits die Bereitschaft, sich zu den Hintergründen dieser Anbieter zu informieren. Andererseits muss vielleicht auch der eine oder andere Abstrich bei den Leistungen der Anbieter gemacht werden, wenn sie dafür hohen nachhaltigen Gegenwert bieten. Nur so kann die Digitalisierung mit der Unterstützung aller aus sich selbst heraus nachhaltiger werden und aus zwei scheinbaren Gegensätzen eine zukunftsweisende starke Symbiose schaffen. Der Entschluss, dafür digital nachhaltiger zu handeln, ist dabei eine Möglichkeit, einen persönlichen Beitrag zu leisten. Zugleich wird daraus die Voraussetzung, damit der große Wandel zu einer für alle positiven Verbindung von Digitalisierung mit Nachhaltigkeit führen kann.

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