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Zwischen älteren und jüngeren Generationen gab es in Deutschland über die letzten Jahrzehnte hinweg immer wieder größere Konflikte. So auch gerade: Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young fragte die Generation Y – die Millenials – vor Kurzem nach ihren Interessen und Werten oder Zukunftsvorstellungen. Solche Studien oder Umfragen stoßen meist auf großes Interesse – mehr aber auch nicht. Doch dieses Mal lösten zwei Antworten echte Turbulenzen aus. Auf die Frage, was ihnen im Leben wichtig ist, bewerteten die befragten Studenten Erfüllung und private Zufriedenheit – wenig überraschend – als sehr hoch. Beruflicher Aufstieg und Karriere war den meisten dagegen weniger wichtig. Nur rund ein Drittel räumte diesem Aspekt eine sehr wichtige Bedeutung ein.

Offene Ablehnung

Besonders dieser eine Punkt der Studie sorgte medial für hohen Wellengang. Schnell fanden sich ein paar Chefs vor allem mittelständischer Unternehmen, die schon lange gewusst haben wollen, dass der Nachwuchs auf dem Arbeitsmarkt mehr mit dreisten Forderungen als mit Leistungsbereitschaft auffällt. Häufig wurde hier der Chef des Europaparks in Rust zitiert, der von 25-Jährigen sprach, die nur noch drei Tage in der Woche arbeiten wollten. Mit dem Argument, dass er selbst hart arbeitet, ließ er Wünsche anderer nach mehr Work-Life-Balance nicht gelten. Vor ein paar Jahren schaffte es ein Hamburger Unternehmer genauso in die Schlagzeilen, als er verkündete, dass er Millenials nicht einmal als Praktikanten nimmt, weil die nach sechs Stunden Arbeit angeblich alle zum Yoga müssen. Das sind nur zwei Beispiele, wo Unternehmerinnen oder Unternehmer den Nachwuchs aus der Generation Y trotz Arbeits- und Fachkräftemangel nicht einfach nur ignorieren, sondern ihn offen disqualifiziert.

Andere Generation – andere Vorstellungen und Ziele

Unterschiedliche Lebensvorstellungen bieten traditionell Zündstoff zwischen den Generationen. Die meisten Millenials haben ihre Eltern hart arbeiten sehen und sie dadurch seltener gesehen. So hatten sie oft viel Freiräume, um Zeit mit anderen zu verbringen. Davon sind unzählige schöne Erinnerungen zurückgeblieben. Das möchten viele auch im Erwachsenenalter und im Berufsleben nicht mehr missen. Sie wollen diese Freiheiten nicht einmal geschenkt haben. Die Jungen sind bereit, dafür zu verzichten. Für sie muss es nicht immer mehr Gehalt oder die nächste Beförderung sein. Es genügt ihnen, gerade so weit aufzusteigen, dass es reicht, um den Alltag zu finanzieren und sich ab und an auch einmal etwas Besonderes leisten zu können. Dazu wünschen sie sich erfüllende und sinnstiftende Arbeit, in die sie ihre Persönlichkeit einbringen können und trotzdem noch genügend Zeit für Persönliches haben. Die Generation Y will arbeiten und auch hart arbeiten – wenn die Rahmenbedingungen passen.

Ohne die Millenials geht es nicht

Die meisten Großunternehmen haben es verstanden und setzen es um: Für die jüngere Generation müssen andere Arbeitsangebote und -umfelder geschaffen werden als für die Babyboomer vor ihnen. So kamen aus dieser Richtung auch gar keine Klagen in der jüngsten Diskussion. Hier sind verwandte Themen oder Aufgaben wie Corporate Social Responsibility jedoch längst Teil der Unternehmenskultur. Der Bereich KMU hinkt an dieser Stelle noch hinterher – aus Unverständnis oder Furcht vor hohen Kosten und auch aus Nachlässigkeit. Die Zukunft eines Unternehmens kann nur gesichert werden, wenn immer wieder Personal nachwächst. Ansonsten überholt der Generationenwandel irgendwann jedes Unternehmen, lässt es zurückbleiben und später zum existenzbedrohenden Stillstand kommen. Im Europapark Rust setzt der Chef nun auf Zuwanderung aus Ländern wie Kirgistan oder Usbekistan. Doch das funktioniert längst nicht für jedes Unternehmen: Sie benötigen für anspruchsvollere Tätigkeiten überwiegend gut qualifizierte Fachkräfte, wie sie die Generation Y reihenweise bieten kann. Allerdings: Um sie zu gewinnen, muss man auf sie zugehen und sich mindestens in der Mitte zwischen alten und neuen Ansprüchen an Arbeit und Leben mit ihnen treffen.

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