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Future Work – das Homeoffice ist nicht die Zukunft

von | Okt 15, 2020 | #Digitaletransformation, #Digitalisierung, #Digitalisierungleben, #Digitalisierungsstrategie, #Homeoffice

Mit dem Aufkommen der Corona-Pandemie war es die Lösung und zugleich die Rettung für viele Unternehmen: das Homeoffice. Die meisten Chefs, die nicht zwingend auf die Präsenz ihrer Mitarbeiter angewesen waren, ließen diese von zu Hause aus arbeiten – selbst im öffentlichen Sektor. Binnen kürzester Zeit wurden die dafür notwendigen Strukturen geschaffen, Hard- oder Software installiert und Workflows angepasst. Die Notfallmaßnahme wurde mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. Arbeitsforscher, Unternehmensberatungen und andere fragten bald bei Verantwortlichen und Mitarbeitern nach einer ersten Bilanz zur neuen Arbeitswelt in Corona-Zeiten. Die Ergebnisse überraschten durchaus.

Gelungene Premiere

Trotz Startschwierigkeiten, zusätzlichem Stress durch den Spagat vieler zwischen Arbeit und Familienleben und allgemein längeren Arbeitszeiten bekam das Homeoffice von einer großen Mehrheit der Betroffenen gute oder sehr gute Noten ausgestellt. Genauso waren die Chefs von der Produktivität ihrer Mitarbeiter überwiegend sehr angetan. Der Kaltstart hatte offensichtlich funktioniert und zugleich vielen Unternehmen einen Schub bei der Digitalisierung gegeben. War das der endgültige Durchbruch des Homeoffice?

Schnell tauchten Szenarien auf, die an frühere Visionen einer neuen Arbeitswelt erinnerten: leere Büros, virtuelle Meetings statt Geschäftsreisen, weniger Verkehr auch in den Ballungszentren und zufriedenere Mitarbeiter mit einer hohen Work-Life-Balance irgendwo im Grünen vor den Toren der Städte. Doch die Realität sieht anders aus. Wie das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation feststellt, sinken die Werte für Arbeits-, Informations- oder Kreativitätsfluss unter den befragten Heimarbeitern im Sommer 2020 schon wieder kontinuierlich. Viele kommunikative Faktoren der Präsenzarbeit werden schmerzlich vermisst. Und es gibt weitere Schwächen: Beispielsweise für das Onboarding neuer Mitarbeiter fehlen in diesem Szenario noch vollkommen die Konzepte.

Neue Arbeitsplätze

Zusammengenommen konnte das Homeoffice im großen Corona-Feldversuch viel Akzeptanz gewinnen. Verantwortlichen in den Unternehmen fällt es nun leichter, auch künftig den Mitarbeitern mehr Heimarbeit zu ermöglichen. Neue Technologien und Tools dürften die Produktivität bald noch steigern und sind ein Zukunftsmarkt. Doch es ist genauso klar, dass das Homeoffice bei der Mehrzahl der Unternehmen zunächst nur sehr beschränkt ausgebaut wird. Der Großteil der Arbeit soll nach wie vor Ort in den Büros der Unternehmen stattfinden. Aber diese werden sich unter den neuen Vorzeichen zukünftig noch einmal verändern.

In den letzten Jahren haben sich zunehmend offene Bürolandschaften entwickelt, die durch mehr Interaktion und Kommunikation eine größere Produktivität schaffen sollten. In Befragungen bemängelten viele Arbeitnehmer hier allerdings das Fehlen von Ruheräumen für konzentrierte Arbeit. Diese können jetzt wieder geschaffen werden, wenn die tägliche Auslastung der Büros durch tageweise Homeoffice-Arbeit einzelner Mitarbeiter zurückgeht. Der feste Arbeitsplatz mit dem eigenen Schreibtisch wird dabei schnell zum Auslaufmodell, wenn sich die neue Mobilität der Arbeit auch in den Büros fortsetzt. Das erlaubt am Ende eine agilere und dynamischere Zusammenarbeit, die sich dann immer wieder für wechselnde Aufgaben oder Projekte individuell organisieren kann. Die besten digitalen Technologien können dabei letztlich die persönliche Interaktion aber nicht gleichwertig ersetzen. Dadurch bleibt das Büro auch zukünftig unverzichtbar und Mittelpunkt der Arbeitswelt.

Flexibleres, intelligenteres Arbeiten entwickelt sich

Feste Organisationsstrukturen gelten schon länger nicht mehr als geeignete Lösung für eine Welt mit dynamischen Märkten und Kundenerwartungen. Der Umbruch zu flexibleren Arbeitswelten, die Unternehmen durch neue Technologien intelligent steuern und effektiver machen, war deswegen ohnehin ein Gebot für die Zukunft. Eine Reihe von Unternehmen hatte diesen Weg bereits vor Corona eingeschlagen. Die Pandemie wird den Prozess nur beschleunigen und noch mehr Unternehmen in diese Richtung bewegen.

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